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Fotografieren ohne Kamera - so geht´s - Ab heute bessere Fotos (4)

Ohne Kamera fotografieren

Auch schon mal von Betrachtern deiner Fotos gefragt worden: „Wow, was für eine Kamera hast du denn?“ Ich kenne Fotografinnen und Fotografen, die in solchen Momenten ihren Gesprächspartnern am liebsten erst mal das Stativ über den Kopf ziehen möchten. Die freundlichste Antwort ist: „Das Bild entsteht im Kopf und nicht in der Kamera“, die arrogante Antwort ist: „Es kommt nicht aufs Equipment an, sondern darauf, wer es bedient!“
5 Tipps, worauf Fotografie-Anfänger achten sollten, bevor sie den Auslöser drücken.

1. Das Bild entsteht im Kopf
Wie ist dein Blick auf die Welt? Wie ist dein Blick auf deine Umgebung? Was siehst du, wenn du an einen Ort kommst, eine Landschaft vor Augen hast oder in eine spontane Situation geworfen wirst, aus der ein Foto entstehen könnte? Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber alles beginnt, damit, was du siehst. Großartige Bilder beginnen mit deinem einzigartigen Blick, bevor du durch den Sucher oder auf das Display schaust. Kein Mensch auf dieser Welt sieht die Welt wie du! Du bist einzigartig und daher kannst du die Welt auch in einer ungewöhnlichen Art sehen, nämlich in deiner Art! Kein anderer kann das.
Deshalb: Versuche deinen eigenen Blick zu schärfen, bevor du die Schärfe am Objektiv oder in der Kamera einstellst.

2. Deine Gedanken führen dich zu einer Idee
Kannst du Fotos schießen ohne eine Kamera dabei zu haben? Natürlich kannst du das. Du kannst sie nur danach nicht entwickeln, drucken und anderen zeigen. Je mehr du dich mit Fotografie beschäftigst, desto mehr lernst du zu sehen. Beim fotografischen Sehen schaltest du dein Gehirn und sogar deine Augen aus, und achtest auf deine Gefühle, auf dein Empfinden, dein Bauchgefühl und deine Instinkte. Je mehr du das trainierst, desto leichter fällt dir das, wenn du mit deiner Kamera unterwegs bist. Der Blick durch die Kamera ist der letzte Schritt in diesem Prozess. Der erste beginnt mit deinen Gedanken.
Deshalb: Versuche deine Gefühle wahrzunehmen, wenn du gute Fotos machen willst. Wie wirkt die Szene, die Person, die Landschaft auf dich und wie soll dein Foto später aussehen?

3. Visualisieren ist wichtig
„Schau dir die Sache erst mal an und denke nach, bevor du den Auslöser drückst. Das Herz und dein Verstand sind das wirkliche Objektiv deiner Kamera.“ Dieser Spruch des Fotografen Yousuf Karsh bringt es auf den Punkt. Und nochmal die Frage: Was siehst du?
Daran schließt sich die nächste Frage an: Was sollen die Betrachter deiner Fotos sehen? Dasselbe wie du? Etwas anderes? Vielleicht etwas, das du für sie in den Fokus nimmst und ihren Blick darauf lenkst? Visualisieren, nennen die Fachleute diesen Vorgang. Er findet im Herzen, in den Gefühlen (der Seele) und im Kopf statt. Praktisch eine mentale Blaupause bevor das eigentliche Foto aufgenommen wird.
Deshalb: Trainiere deine Fähigkeiten, indem du überall potentielle Motive und Fotos visualisierst. Vielleicht lässt du dafür die Kamera einfach mal in der Tasche und simulierst die Fotos, bevor du sie schießt.

4. Bleibe im Rahmen und denke „out of the box“
Jedes Foto hat einen Rahmen, einen Blickwinkel – und damit auch automatisch Begrenzungen. Um einen richtige Rahmen für die verschiedenen Fotos zu finden, brauchst du etwas, was es heute nur noch selten gibt: ZEIT. Schnappschüsse kann jeder! Aber künstlerisch, atmosphärisch und fachlich hochwertige Fotos kann nur derjenige machen, der sich Zeit nimmt – oder seine Fähigkeiten und seinen Blick so trainiert hat, dass in Sekunden die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Ohne Kamera lässt sich ein Blickwinkel oder ein Rahmen sehr einfach mit den eigenen Händen erzeugen. Wer dabei dann „out of the box“ denkt, versucht durch Positionsveränderungen neue Perspektiven herzustellen. Zum Beispiel in die Knie gehen, sich hinlegen, auf einem Bein stehen und sich dehnen. Wer das mit zum Rahmen zusammengefügten Händen macht, sorgt zwar für reichlich Erheiterung bei den umstehenden Leuten, schult aber seinen Blick.
(Über die grafischen Aspekte und 2-Drittel-Regeln usw. wird es in einem anderen Blog gehen.)
Deshalb: Außergewöhnliche Fotos erfordern manchmal ungewöhnliche Maßnahmen. Wie zum Beispiel Fingerarbeit, um einen neuen Blick zu gewinnen.

5. Der geschulte Blick lässt sich besser lenken
Die ersten vier Punkte sollen eine Motivation sein, ohne Kamera und theoretisches Fachwissen den eigenen Blick zu schulen (hat mit Üben zu tun). Soweit der Einstieg. Gute Fotos haben aber auch viel mit Wissen zu tun. Dabei spielen graphische Elemente wie Ebenen, Perspektiven, Linienführung, Farbgebung, Vorder-, Mittel- und Hintergrund, Bildaufteilung, Umgang mit Licht, der goldene Schnitt, Umgang mit Kontrasten, Weißabgleich und viele andere Dinge eine wichtige Rolle. Das Wichtigste in der Fotografie ist aber: die eigene Persönlichkeit der Fotografin oder des Fotografen. Daher sind die Punkte 1 bis 4 so wichtig für gute Fotos. Und sicher fallen dir jetzt noch zehn weitere Punkte ein.
Deshalb: Wer den eigenen Blick ständig schult und trainiert, wird auch mit den graphischen Tipps schnell umgehen können und einfach bessere Fotos machen.

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